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Auf die Spät-September
Wetterlagen scheint Verlass: das Flugziel war Zell am See im Salzburger Land und
am 20. September 2007 standen GAFOR und ALPFOR in Vorarlberg, Tirol, Salzburger
Land nach Auflösung von Frühnebel fast durchweg auf Oskar. Derzeit kann sich
als Scheininhaber bei Austro-Control zu einem kostlosen Wetterbriefing
registrieren. Über Internet bekommt man dann eine 3-Tage Prognose pro Region in
Österreich sowie eine detaillierte GAFOR und ALFOR Karte. Nach ausgiebiger
Vorflugkontrolle war das Gepäckfach schnell gefüllt: Bremsklötze, Erdanker,
Digitalkamera und zwei Rucksäcke mit Minimalbesetzung (Zahnbürste, Unterwäsche
und Fliesjacke) – Pilotenminimalismus eben.
Take-off war 10:00. Als
eingefleischter Zell am See-Fan war Markus Wurth mein erfahrener Co-Pilot. Über
Donaueschingen entschieden wir uns entlang des Bodensees zu fliegen und einen
Tankstopp in Hohenems bei Bregenz einzulegen. Wir steigen auf FL 75 und stellen
den Höhenmesser auf 1013,2 hPa, über der Wolkenbasis kein Thermikeinfluss mehr
– fliegen wie im Wasserbett. Der Frühnebel hatte sich gelichtet und eine
Dunstdecke lichtete sich zum Ost-Ende des Bodensees, die Flugsicht war 30km
plus und die in Schnee getauchten Alpen begrüßten uns bereits. Weiter ging’s
über Überlingen nach Friedrichshafen. Natürlich hatten wir uns bei Zürich Info
eingeloggt, gibt schon ein gutes Gefühl, besonders wenn die Linienmaschinen
durch die Dunstdecke schießen oder in sie eintauchen. Auf einmal entdeckt
Wurthi ein gurkenartiges, dunkles Gebilde über der Dunstdecke. Das war der in
Friedrichhafen stationierte NT Zeppelin – absoluter Hingucker. Mit immer
besserer Erdsicht flogen wir über Lindau und mit der Rheinmündung in den
Bodensee in Sicht meldeten wir uns bei Info Hohenems. Dauerte etwas, bis sich
der Flugleiter meldete, also nicht verzagen. Wir wurden dann über den
Pflichtmeldepunkt Sendeturm östlich von Bregenz zur Landebahn 05 gelotst. Nach 1 1/4 Stunden Flugzeit problemloser touch-down
in Österreich.
Der freundliche Flugleiter
kam dann sofort vom Tower (das Gebäude wurde 2005 eröffnet und erinnerte mich eher
an eine Marsstation) um mit einer Chipkarte die Tankanlage in Betrieb zu
setzen. Literpreis Super bleifrei sensationelle € 1,29! In der Marsstation gibt
es ein gemütliches Cafe/Restaurant. Ich bestellte einen Verlängerten (= Austro
Cafe Creme) und Wurthi eine Almdudler/Verlängerten-Kombi. Dies sollte sich
später noch rächen. Wir besprachen nochmals das Routing entlang den bayrischen Alpen,
dann rechts ins Inntal, Zahmer Kaiser, Kitzbühl, St. Johann, Zell am See.
Direkt in die Alpen wäre halt schon eine wahnsinnige Steigerei von Hohenems,
Ausweichplätze Fehlanzeige.
Also los geht’s über Bregenz
(die Festspielbühne im Bodensee ist deutlich zu erkennen) Richtung Kempten. Entlang
den bayerischen Alpen kann man sich hervorragend an perlschnurartig
ausgerichteten Seen orientieren: Forgensee, Staffelsee, Tegernsee und Schliersee
und dann mit dem Chiemsee am Horizont schwenken wir rechts ins Inntal ein,
links baut sich der „Zahme Kaiser“ (6500 ft) auf, der für tückische Fallwinde
bei Nordwestlagen Richtung St. Johann berüchtigt ist, auf. Wir überfliegen St.
Johann auf der rechten Talseite (die
Sonne brennt jetzt links) und dann weiter nach Saalbach. Nach einer 90 Grad
Kurve nach rechts liegt dann der Zeller See vor uns. Wir melden uns beim
Flugplatz Zell und fliegen mit Minimum 4000 ft über November in die Platzrunde
und bekommen Landebahn 08 zugewiesen. Im Endteil überfliegen wir eine 36-Loch
Golfanlage und dann Landung am brandneuen Flugplatz Zell am See 2470 MSL.
Nicht nur durch die UL Expo hat sich Zell zum
internationalen Treffpunkt für ULer entwickelt. Die Flugbewegungen an einem
normalen Wochentag sind beachtlich, ebenso wie die Anzahl der deutschen
Registrierungen auf dem Vorfeld. Wurthis fataler Almdudler/Kaffee Cocktail in
Hohenems verschafft sich jetzt Erleichterung – ich dachte schon, dass er die
letzte Flugstunde so verbissen wirkte, lag aber dann doch nicht an meiner
Fliegerei….. Der Service in Zell ist phänomenal: bei Mehrtagesaufenthalten
checkt man wie in einem Hotel ein. Sämtlicher Sprit, Lande- und Parkgebühren
sowie Fahrradleihgebühren kommen auf eine Rechnung. Am Ende sagt man nur:
D-MVSB, check-out bitte und die Flugleitung druckt eine Rechnung für alles. Wetterberatung
und Bildschirme mit Live-Cams in die Alpen sind selbstverständlich. Schon ein
deutlicher Kontrast zu den verbeamteten Strukturen und Service-Wüsten, die man bisher
so kennen gelernt hat.
Am nächsten Morgen haben wir
uns mit Edi Wimmer, begeisterter UL-Pilot aus Salzburg und mit einer Pioneer
200 in Zell am See stationiert, verabredet. Das Wetter ist gut und so können
wir mit unserem Projekt Alpenüberquerung in das Detailbriefing gehen. Edi hat
uns als „Alpen-Insider“ die komplette Flugplanung vorbreitet, Flugplan, Karte
mit detaillierten Anweisungen zu Frequenzwechseln, Flughöhen wurde uns
überreicht – chapeau war wirklich
perfekt. Wir besprechen folgendes: Abflug über November Richtung Saalbach, Kehrtwende,
Steigen bis auf mindestens 6000 ft beim erneuten Überflug des Zeller Sees und
dann Richtung Alpenpass (entlang der Großglocknerhochalpenstrasse) mit Minimum
9.500 ft – alles Weitere über Funk. Gesagt getan, nach dem take-off fehlt der
Eurofox bei gleicher Steigleistung ein bisschen der Speed, um mit der Pioneer
mithalten zu können. Edi fliegt eine größere Schleife, so dass wir aufholen
können. Trotzdem ist extreme Konzentration angesagt, um den Sichtkontakt bei
wechselndem Hintergrund beizubehalten. Ab 6.500 ft sind die Alpen in Schnee
eingetaucht, wir steigen auf 10.200 ft und überqueren den Alpenpass – Panorama
überwältigend. Der Auslöser der Digitalkamera schnurrt pausenlos. Rechts der
Großglockner mit majestätischen 12.461 ft. höchster Berg Österreichs. Nach der Passüberquerung
meldet sich Edi: „Jetzt mit Todesverachtung sinken!“. Dies war abgesprochen, um
die erforderliche Höchstflughöhe von 500ft GND bis zur italienischen Grenze zu
erreichen. ULs werden in Italien als „Luftmopeds“ behandelt und dürfen daher wochentags
nur 500ft GND fliegen, ansonsten ist der italienische Luftraum gespickt mit
Sperrgebieten. Unser Vario ist konstant am Negativanschlag, vor uns liegt der
letzte österreichische Landeplatz Lienz/Nikolsdorf.
Wir sinken weiter,
überfliegen die italienische Grenze,
Funkfrequenz auf 130.00 (offizielle Ul-Frequenz) und Transponder aus.
Die Architektur der Häuser und Kirchen ändert sich schlagartig ins romanische,
bei unserer Flughöhe kann jetzt fast jedes Fresko erkennen. Die Flugroute ist
jetzt bis zur Adria recht einfach zu navigieren: immer dem Fluss Tagliamento
entlang. Ich übergebe Wurthi die Steuerung bei 500ft GND (nur ein paar Fuß über
ständig querenden Hochspannungsleitungen) und bekomme dafür den Foto in die
Hand gedrückt. Die volltransparente
Eurofox-Türe gestattet einige geniale Schnappschüsse nach unten, wo sich
blaues Gletscher-Wasser durch ein fast ausgetrocknetes Flussbett schlängelt.
Wir überlegen kurz, wie wir jetzt bei Motorausfall reagieren würden. Zu niedrig
für das Rettungsgerät, rechts und links alles recht hoch bewachsen oder bebaut
und das Flussbett bietet ein recht feuchtes Sandbett…… Arrrghh. Weiter geht’s
und Edi kündigt an: „10 Minuten zur Landung in St. Michele al Tagliamento“. Die
Privatgraspiste an östlichsten Rand Venetiens ist kaum auszumachen, wir halten
uns einfach hinter Edi, Flugleitung (sowie Landegebühren) gibt’s auch nicht,
also Blindmeldungen abgesetzt, die Landerichtung ist 15, da hier fast immer
Seewind bläst. Nach gelungener Landung auf 0 ft MSL machen wir uns auf zum
platzeigenen Ristorante. Unter einer weinbehangenen Pergola bei sommerlichen
Temperaturen entspannt man sofort. Da wir am Meer sind, ist das ganze Essen
„Frutti di Mare“ entweder Spagetti oder Risotto, welches ich mir mit Edis
Co-Pilot (gleichzeitig auch unser italienisch -Dolmetscher) teile. Schmeckt
vorzüglich und wird mit einem macchiato caldo (der mit der warmen Milch)
abgeschlossen.
Beim Startcheck der Eurofox
fällt auf, dass wir mit dem Steigen doch mehr Treibstoff als geplant verbraucht
hatten. Für den Rückflug könnte das eng werden. Also haben wir mit unseren
Dolmetscher 10 Liter Super bleifrei aus dem Fiat Panda auf dem
Restaurantparkplatz organisiert, absaugen per Plastikschlauch inklusive. Frisch
gestärkt starten wir nun zu einem kleinen Abstecher entlang der Mittelmeerküste.
Im Tiefflug über kleine Fischerhütten, über den Yachthafen von Lignano
Sabiaddoro, vorbei am Leuchtturm von Bibione und dann im legalen Tiefflug entlang
der Sandstrandküste Richtung Venedig – hat schon was!
Wir treten jetzt unseren
Rückflug über die gleiche Route an. Problemlos geht’s es wieder über den Alpenpass
mit 10.500 ft. Unter uns jetzt deutlich die Großglocknerhochalpenstrasse, die
sich mit unzähligen Kehrtwenden durch die Alpen schlängelt. Deutlich sind
einige Sonntagsfahrer sowie mutige Mountainbiker zu erkennen. Das ideale
Testgelände für Bremsanlagen und Stoßdämpfer. Halblinks vor uns erhebt sich der
Watzmann völlig wolkenfrei. Wir sinken wieder mit dem Vario am Anschlag und
landen sicher in Zell am See. Es folgt ein ausführliches „Debriefing“ auf der
gemütlichen Restaurantterrasse am Flugplatz – irgendwie sind wir nach dem Dauertiefflug
fix und foxi. Edi erzählt, dass er vor 7 Jahren (im Alter von 43 Jahren) mit
der Fliegerei begonnen hat. C.F. Meerwein ist ihm in guter Erinnerung geblieben:
als er bei einem Schlechtwetterflug nach Freiburg unseren Hangarplatz benutzen
durfte. Die G-3 war damals zur Reparatur. Bei Exkursionen der Zeller UL
Flieger, wie z.B. vor ein paar Jahren durch Italien bis Sizilien, darf Edi
natürlich nicht fehlen.
Am nächsten Tag fliegen wir
in 3 ½ Stunden mit vielen neuen Fliegererfahrungen non-stop nach Freiburg
zurück.
Fazit: Zell am See ist ein
absolut empfehlenswertes Reiseziel. Die Gegend ist einfach wunderschön, man
kann sie per Fahrrad oder mit entsprechender Wanderausrüstung erkunden. Zell
ist außerdem ein idealer Ausgangspunkt für ausgedehnte Alpenrundflüge. Wer sie
noch nicht hat, sollte über eine Alpeneinweisung nachdenken. Als
Schwarzwaldpilot wird man da doch noch mal vor neue Herausforderungen gestellt.
Übernachtungen in den zahlreichen Pensionen sind günstig (wir zahlten €25 inkl.
fürstlichem Frühstück pro Nase).
Die UL-Fliegerei in Italien
ist eher was für Hartgesottene, hier sollte man unbedingt mit jemand fliegen
der sich auskennt. Auf der offiziellen Homepage der italienischen ULer steht
sinngemäß, dass man am Samstag und an Feiertagen auf 1.000ft GND fliegen darf. Das
bringt den Puls vielleicht ein bisschen runter…….
Hier noch ein paar interessante
Weblinks:
Homepage der Austrocontrol www.austrocontrol.at/
Homepage von LOWZ www.flugplatz-zellamsee.at/
Homepage der “Aviazione Leggera”
ital. UL www.ulm.it
Homepage
der Fa. UL Concept mit UL Videos über dem Tagliamento www.pioneer300.eu
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