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Sportfliegerclub C. F. Meerwein e. V. member of LSG-Breisgau e. V.

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Zum Risotto an die Adria
Geschrieben von Hermann Aichele   
Dienstag, 9. Oktober 2007

Auf die Spät-September Wetterlagen scheint Verlass: das Flugziel war Zell am See im Salzburger Land und am 20. September 2007 standen GAFOR und ALPFOR in Vorarlberg, Tirol, Salzburger Land nach Auflösung von Frühnebel fast durchweg auf Oskar. Derzeit kann sich als Scheininhaber bei Austro-Control zu einem kostlosen Wetterbriefing registrieren. Über Internet bekommt man dann eine 3-Tage Prognose pro Region in Österreich sowie eine detaillierte GAFOR und ALFOR Karte. Nach ausgiebiger Vorflugkontrolle war das Gepäckfach schnell gefüllt: Bremsklötze, Erdanker, Digitalkamera und zwei Rucksäcke mit Minimalbesetzung (Zahnbürste, Unterwäsche und Fliesjacke) – Pilotenminimalismus eben.

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Take-off war 10:00. Als eingefleischter Zell am See-Fan war Markus Wurth mein erfahrener Co-Pilot. Über Donaueschingen entschieden wir uns entlang des Bodensees zu fliegen und einen Tankstopp in Hohenems bei Bregenz einzulegen. Wir steigen auf FL 75 und stellen den Höhenmesser auf 1013,2 hPa, über der Wolkenbasis kein Thermikeinfluss mehr – fliegen wie im Wasserbett. Der Frühnebel hatte sich gelichtet und eine Dunstdecke lichtete sich zum Ost-Ende des Bodensees, die Flugsicht war 30km plus und die in Schnee getauchten Alpen begrüßten uns bereits. Weiter ging’s über Überlingen nach Friedrichshafen. Natürlich hatten wir uns bei Zürich Info eingeloggt, gibt schon ein gutes Gefühl, besonders wenn die Linienmaschinen durch die Dunstdecke schießen oder in sie eintauchen. Auf einmal entdeckt Wurthi ein gurkenartiges, dunkles Gebilde über der Dunstdecke. Das war der in Friedrichhafen stationierte NT Zeppelin – absoluter Hingucker. Mit immer besserer Erdsicht flogen wir über Lindau und mit der Rheinmündung in den Bodensee in Sicht meldeten wir uns bei Info Hohenems. Dauerte etwas, bis sich der Flugleiter meldete, also nicht verzagen. Wir wurden dann über den Pflichtmeldepunkt Sendeturm östlich von Bregenz zur Landebahn 05 gelotst.  Nach 1 1/4 Stunden Flugzeit problemloser touch-down in Österreich.

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Der freundliche Flugleiter kam dann sofort vom Tower (das Gebäude wurde 2005 eröffnet und erinnerte mich eher an eine Marsstation) um mit einer Chipkarte die Tankanlage in Betrieb zu setzen. Literpreis Super bleifrei sensationelle € 1,29! In der Marsstation gibt es ein gemütliches Cafe/Restaurant. Ich bestellte einen Verlängerten (= Austro Cafe Creme) und Wurthi eine Almdudler/Verlängerten-Kombi. Dies sollte sich später noch rächen. Wir besprachen nochmals das Routing entlang den bayrischen Alpen, dann rechts ins Inntal, Zahmer Kaiser, Kitzbühl, St. Johann, Zell am See. Direkt in die Alpen wäre halt schon eine wahnsinnige Steigerei von Hohenems, Ausweichplätze Fehlanzeige.

Also los geht’s über Bregenz (die Festspielbühne im Bodensee ist deutlich zu erkennen) Richtung Kempten. Entlang den bayerischen Alpen kann man sich hervorragend an perlschnurartig ausgerichteten Seen orientieren: Forgensee, Staffelsee, Tegernsee und Schliersee und dann mit dem Chiemsee am Horizont schwenken wir rechts ins Inntal ein, links baut sich der „Zahme Kaiser“ (6500 ft) auf, der für tückische Fallwinde bei Nordwestlagen Richtung St. Johann berüchtigt ist, auf. Wir überfliegen St. Johann auf der rechten Talseite  (die Sonne brennt jetzt links) und dann weiter nach Saalbach. Nach einer 90 Grad Kurve nach rechts liegt dann der Zeller See vor uns. Wir melden uns beim Flugplatz Zell und fliegen mit Minimum 4000 ft über November in die Platzrunde und bekommen Landebahn 08 zugewiesen. Im Endteil überfliegen wir eine 36-Loch Golfanlage und dann Landung am brandneuen Flugplatz Zell am See 2470 MSL.

Nicht nur durch die UL Expo hat sich Zell zum internationalen Treffpunkt für ULer entwickelt. Die Flugbewegungen an einem normalen Wochentag sind beachtlich, ebenso wie die Anzahl der deutschen Registrierungen auf dem Vorfeld. Wurthis fataler Almdudler/Kaffee Cocktail in Hohenems verschafft sich jetzt Erleichterung – ich dachte schon, dass er die letzte Flugstunde so verbissen wirkte, lag aber dann doch nicht an meiner Fliegerei….. Der Service in Zell ist phänomenal: bei Mehrtagesaufenthalten checkt man wie in einem Hotel ein. Sämtlicher Sprit, Lande- und Parkgebühren sowie Fahrradleihgebühren kommen auf eine Rechnung. Am Ende sagt man nur: D-MVSB, check-out bitte und die Flugleitung druckt eine Rechnung für alles. Wetterberatung und Bildschirme mit Live-Cams in die Alpen sind selbstverständlich. Schon ein deutlicher Kontrast zu den verbeamteten Strukturen und Service-Wüsten, die man bisher so kennen gelernt hat.

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Am nächsten Morgen haben wir uns mit Edi Wimmer, begeisterter UL-Pilot aus Salzburg und mit einer Pioneer 200 in Zell am See stationiert, verabredet. Das Wetter ist gut und so können wir mit unserem Projekt Alpenüberquerung in das Detailbriefing gehen. Edi hat uns als „Alpen-Insider“ die komplette Flugplanung vorbreitet, Flugplan, Karte mit detaillierten Anweisungen zu Frequenzwechseln, Flughöhen wurde uns überreicht  – chapeau war wirklich perfekt. Wir besprechen folgendes: Abflug über November Richtung Saalbach, Kehrtwende, Steigen bis auf mindestens 6000 ft beim erneuten Überflug des Zeller Sees und dann Richtung Alpenpass (entlang der Großglocknerhochalpenstrasse) mit Minimum 9.500 ft – alles Weitere über Funk. Gesagt getan, nach dem take-off fehlt der Eurofox bei gleicher Steigleistung ein bisschen der Speed, um mit der Pioneer mithalten zu können. Edi fliegt eine größere Schleife, so dass wir aufholen können. Trotzdem ist extreme Konzentration angesagt, um den Sichtkontakt bei wechselndem Hintergrund beizubehalten. Ab 6.500 ft sind die Alpen in Schnee eingetaucht, wir steigen auf 10.200 ft und überqueren den Alpenpass – Panorama überwältigend. Der Auslöser der Digitalkamera schnurrt pausenlos. Rechts der Großglockner mit majestätischen 12.461 ft. höchster Berg Österreichs. Nach der Passüberquerung meldet sich Edi: „Jetzt mit Todesverachtung sinken!“. Dies war abgesprochen, um die erforderliche Höchstflughöhe von 500ft GND bis zur italienischen Grenze zu erreichen. ULs werden in Italien als „Luftmopeds“ behandelt und dürfen daher wochentags nur 500ft GND fliegen, ansonsten ist der italienische Luftraum gespickt mit Sperrgebieten. Unser Vario ist konstant am Negativanschlag, vor uns liegt der letzte österreichische Landeplatz Lienz/Nikolsdorf.

Wir sinken weiter, überfliegen die italienische Grenze,  Funkfrequenz auf 130.00 (offizielle Ul-Frequenz) und Transponder aus. Die Architektur der Häuser und Kirchen ändert sich schlagartig ins romanische, bei unserer Flughöhe kann jetzt fast jedes Fresko erkennen. Die Flugroute ist jetzt bis zur Adria recht einfach zu navigieren: immer dem Fluss Tagliamento entlang. Ich übergebe Wurthi die Steuerung bei 500ft GND (nur ein paar Fuß über ständig querenden Hochspannungsleitungen) und bekomme dafür den Foto in die Hand gedrückt. Die volltransparente  Eurofox-Türe gestattet einige geniale Schnappschüsse nach unten, wo sich blaues Gletscher-Wasser durch ein fast ausgetrocknetes Flussbett schlängelt. Wir überlegen kurz, wie wir jetzt bei Motorausfall reagieren würden. Zu niedrig für das Rettungsgerät, rechts und links alles recht hoch bewachsen oder bebaut und das Flussbett bietet ein recht feuchtes Sandbett…… Arrrghh. Weiter geht’s und Edi kündigt an: „10 Minuten zur Landung in St. Michele al Tagliamento“. Die Privatgraspiste an östlichsten Rand Venetiens ist kaum auszumachen, wir halten uns einfach hinter Edi, Flugleitung (sowie Landegebühren) gibt’s auch nicht, also Blindmeldungen abgesetzt, die Landerichtung ist 15, da hier fast immer Seewind bläst. Nach gelungener Landung auf 0 ft MSL machen wir uns auf zum platzeigenen Ristorante. Unter einer weinbehangenen Pergola bei sommerlichen Temperaturen entspannt man sofort. Da wir am Meer sind, ist das ganze Essen „Frutti di Mare“ entweder Spagetti oder Risotto, welches ich mir mit Edis Co-Pilot (gleichzeitig auch unser italienisch -Dolmetscher) teile. Schmeckt vorzüglich und wird mit einem macchiato caldo (der mit der warmen Milch) abgeschlossen.

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Beim Startcheck der Eurofox fällt auf, dass wir mit dem Steigen doch mehr Treibstoff als geplant verbraucht hatten. Für den Rückflug könnte das eng werden. Also haben wir mit unseren Dolmetscher 10 Liter Super bleifrei aus dem Fiat Panda auf dem Restaurantparkplatz organisiert, absaugen per Plastikschlauch inklusive. Frisch gestärkt starten wir nun zu einem kleinen Abstecher entlang der Mittelmeerküste. Im Tiefflug über kleine Fischerhütten, über den Yachthafen von Lignano Sabiaddoro, vorbei am Leuchtturm von Bibione und dann im legalen Tiefflug entlang der Sandstrandküste Richtung Venedig – hat schon was!

Wir treten jetzt unseren Rückflug über die gleiche Route an. Problemlos geht’s es wieder über den Alpenpass mit 10.500 ft. Unter uns jetzt deutlich die Großglocknerhochalpenstrasse, die sich mit unzähligen Kehrtwenden durch die Alpen schlängelt. Deutlich sind einige Sonntagsfahrer sowie mutige Mountainbiker zu erkennen. Das ideale Testgelände für Bremsanlagen und Stoßdämpfer. Halblinks vor uns erhebt sich der Watzmann völlig wolkenfrei. Wir sinken wieder mit dem Vario am Anschlag und landen sicher in Zell am See. Es folgt ein ausführliches „Debriefing“ auf der gemütlichen Restaurantterrasse am Flugplatz  – irgendwie sind wir nach dem Dauertiefflug fix und foxi. Edi erzählt, dass er vor 7 Jahren (im Alter von 43 Jahren) mit der Fliegerei begonnen hat. C.F. Meerwein ist ihm in guter Erinnerung geblieben: als er bei einem Schlechtwetterflug nach Freiburg unseren Hangarplatz benutzen durfte. Die G-3 war damals zur Reparatur. Bei Exkursionen der Zeller UL Flieger, wie z.B. vor ein paar Jahren durch Italien bis Sizilien, darf Edi natürlich nicht fehlen.

Am nächsten Tag fliegen wir in 3 ½ Stunden mit vielen neuen Fliegererfahrungen non-stop nach Freiburg zurück.

Fazit: Zell am See ist ein absolut empfehlenswertes Reiseziel. Die Gegend ist einfach wunderschön, man kann sie per Fahrrad oder mit entsprechender Wanderausrüstung erkunden. Zell ist außerdem ein idealer Ausgangspunkt für ausgedehnte Alpenrundflüge. Wer sie noch nicht hat, sollte über eine Alpeneinweisung nachdenken. Als Schwarzwaldpilot wird man da doch noch mal vor neue Herausforderungen gestellt. Übernachtungen in den zahlreichen Pensionen sind günstig (wir zahlten €25 inkl. fürstlichem Frühstück pro Nase).

Die UL-Fliegerei in Italien ist eher was für Hartgesottene, hier sollte man unbedingt mit jemand fliegen der sich auskennt. Auf der offiziellen Homepage der italienischen ULer steht sinngemäß, dass man am Samstag und an Feiertagen auf 1.000ft GND fliegen darf. Das bringt den Puls vielleicht ein bisschen runter…….

Hier noch ein paar interessante Weblinks:
Homepage der Austrocontrol www.austrocontrol.at/
Homepage von LOWZ www.flugplatz-zellamsee.at/
Homepage der “Aviazione Leggera” ital.
UL www.ulm.it
Homepage der Fa. UL Concept mit UL Videos über dem Tagliamento www.pioneer300.eu

 

                                                          

 

 
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