| Mit dem UL nach Tempelhof |
| Geschrieben von Jürgen Peschek | |
| Sonntag, 17. Februar 2008 | |
Einmal mit dem Ultraleichtflugzeug nach Berlin-Tempelhof fliegen – das war das erklärte Ziel der Emmendinger Segelflieger Peter Kenzelmann und Jürgen Peschek. Für ein Ultraleichtflug kein gewöhnliches Unterfangen, fliegen von und nach Berlin-Tempelhof doch gewöhnlich mehrstrahlige Passagierflugzeuge vom Typ Boeing, Airbus oder eben schnelle Privatjets, die – ganz aktuell - prominente Gäste zur Berlinale ein- und ausfliegen.
„Die derzeitige Schließungsdiskussion hat unseren Entschluss nach Tempelhof fliegen zu wollen natürlich beeinflusst; bevor der Platz geschlossen wird, wollten wir einmal im Leben dort landen“, umschreibt Peter Kenzelmann die Motivation für ihren Erstlingsflug nach Berlin. Da außerdem die Wettersituation sehr stabil war, ein ausdauerndes Hochdruckgebiet lag über Mitteleuropa, starteten die beiden Piloten am Sonntag, den 10. Februar, zu ihrem Flug nach Berlin-Tempelhof. Die erste Etappe führte die beiden über Pforzheim, Heilbronn bis nach Schweinfurt, wo einige Liter Benzin nachgetankt wurden. Solch ein Ultraleichtflugzeug – diese zweisitzigen Kleinflugzeuge wiegen mit Besatzung keine 500 kg - benötigen kein Flugbenzin und sind auch nicht steuerbefreit, wie man meinen könnte. Ganz gewöhnliches Superbenzin von der Tankstelle verlangt das „Ultraleichtfliegerle“ vom Typ Eurofox. Auf den Verbrauch angesprochen, bekräftigen die beiden Piloten unisono, dass für eine Flugstunde keinesfalls mehr als 14 bis maximal 15 Liter Benzin benötigt würden. Bei einer Geschwindigkeit von ca. 150-160 km/h ergibt sich ein Verbrauch von ca. 8 Liter auf 100 Kilomenter, vergleichbar mit dem Wert moderner Mittelklasseautos.
Nach einem kurzen Aufenthalt in Schweinfurt überflogen die Emmendinger Ultraleichtflieger die zum Teil schneebedeckten Höhen des Thüringer Waldes um anschließend in die mitteldeutsche Tiefebene einzutauchen. Der Anflug nach Tempelhof war für die beiden Fliegerfreunde dann der Beginn eines eine halbe Stunde andauernden Höhepunkts. Führte der Flug zuerst entlang der Havel in östliche Richtung, ging der Flug dann genau nach Norden in Richtung Fernsehturm . Nach anschließender Kehre in westlicher Richtung landeten beiden wohlbehalten vor dem wohl fünft größten Gebäude der Welt: Berlin-Tempelhof! Dort empfing sie ein gelb-schwarz angemaltes „Folge-mir“-Fahrzeug und geleitete sie zu ihrem Abstellplatz, direkt neben dem Jet von Libyens Diktator Gadaffis Sohn Saif. Und was taten die beiden Emmendinger Flieger in Berlin? „Nein, wir besuchten nicht die Berlinale“, erklärte schmunzelnd Jürgen Peschek, „sondern gingen schnurstracks in das seit gut einem Jahr bestehende private „DDR-Museum“, in unmittelbarer Nähe des Fernsehturms.“ Für dessen Wohlergehen und Existenz ist ein anderes Emmendinger Vereinsmitglied verantwortlich. Sein Name ist, wir haben es geahnt, Peter Kenzelmann. Nach dieser kurzen geschäftlichen Besprechung mit dem Museumsdirektor traten die Emmendinger Segelflieger am folgenden Tag ihren Rückflug an. Die Berliner haben im übrigen mit 203403 Stimmen für die Durchführung eines Volksentscheids zur Erhaltung des City-Airports-Tempelhof gestimmt. Wer weiß, fällt die demnächst fällige Abstimmung über den Erhalt des Flugfeldes ebenso deutlich aus, heißt es vielleicht bereits im nächsten Jahr: Schon wieder Emmendinger Segelflieger in Tempelhof gelandet |
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