| Apfelstrudel in Austria |
| Geschrieben von T. Gerber/ H. Aichele | |
| Donnerstag, 3. Juli 2008 | |
Über das verlängerte Wochenende nach dem 1. Mai sollte in Reutte/Österreich wieder ein Fluglager stattfinden. Wie in den letzten Jahren hatten die ULer geplant, daran teil zu nehmen.Nach einigen Zweifeln in den Tagen zuvor war dann am Freitag klar, dass das Wetter für einen Flug nach Reutte ausreichen würde. Die weitere Prognose war positiv. So trafen wir uns am Nachmittag um 16:00 Uhr am Flugplatz, packten die Klamotten in den Flieger und los ging’s. Mit Hermann am Steuer geht der Flug entlang des Bodensees entspannt und mit der einen oder anderen Funk-Plauderei mit der netten Dame aus Zürich von statten.
Immer schön unter den Wolken durch mit der einen oder anderen Schaukelei, aber unser Magen-Inhalt bleibt gutmütig drin.
In Reutte angekommen ist der Funk vom Platz unten praktisch nicht zu verstehen. Nach mehreren Nachfragen meinen wir so etwas wie „Gegenanflug 05“ heraus zu hören und fliegen halt mal entsprechend an. Im frühen Abendlicht setzten wir in Reutte auf und werden von einem sehr netten Flugleiter begrüßt. Der Vorstand des ortsansässigen Flugsportvereins – ein Herr mit dem unaussprechlichen Namen Trs (oder so ähnlich) – meinte mit Blick auf unseren Vogel „Es ist ja schon erstaunlich, was da heutzutage so alles rumfliegt.“ Frechheit!!Auf Empfehlung der Lokal-Matadore begeben wir uns in den Gasthof Lilie, wo wir uns ziemlich gemütlich einquartieren. Noch ein feudales Abendessen (natürlich mit Kaiserschmarr’n) zu sehr zivilem Preis und wir kippen müde in die Falle.
Am nächsten Morgen erstmal Frühstück und dann geht’s los. Unser Ziel ist Zell am See. Unsere Flugroute führt teilweise durch/über die Alpen, teilweise etwas mehr über das Alpen-Vorland. Durch die immer noch recht dominante aber immerhin nicht ganz geschlossene Wolken-Situation ergibt sich eine dramatische Beleuchtung der Landschaft, die uns gewaltig beeindruckt.
Über eine Vielzahl von Seen (Plansee, Walchensee, Tegernsee, …) fliegen wir schließlich wieder in die Alpentäler ein und gelangen über St. Johann nach Zell. Noch ein konzentrierter Anflug mit sehr genau vorgeschriebener Platzrunde und wir sind da. In Zell „boxt voll der Papst“, zumal da noch irgend so ein Trainingscamp für Segelflug stattfindet. Das ist offenbar super organisiert. Wie auf Kommando gehen in kürzester Zeit 6 Schleppzüge hintereinander raus. Sehr interessant ist dabei der Vergleich zwischen den einzelnen Schlepp-Fluzeugen. Hier wird mit allem geschleppt, was Flügel hat, also Motor-Maschine, UL und Motorsegler. Klappt auch auf dieser Höhe mit allen Flugzeug-Typen offenbar völlig problemlos.Auch ansonsten ist ein ständiges An- und Abfliegen. Mindestens die Hälfte der Maschinen sind UL’s unterschiedlicher Bauart. Sehr interessant, fast wie eine Ausstellung. Wir schauen ausgiebig zu, während wir im Flugplatz-Restaurant Kaffee und Almdudler schlürfen und nebenher noch einen Apfelstrudel mit Vanilleeis und „Schlagobers“ (=Sahne) vernichten. Dann rollen wir zur Tankstelle. Oder besser: Wir versuchen es. Auf der halben Strecke fängt der Motor an zu stottern und stellt ab. Scheiße! Wir schauen uns betroffen an. Das hat gerade noch gefehlt! Ist womöglich der geflickte Auspuff jetzt doch im Eimer? Dann die Entwarnung: Der Benzinhahn ist noch zu! Vor lauter Hektik auf dem Platz wurde vergessen ihn zu öffnen. Uff! Nach Öffnen desselben läuft der Motor dann doch wie geschmiert. Wir lassen während des Tankens unsere schweißnasse Oberbekleidung wieder trocknen. Lerneffekt: Checkliste auch für kurzes Rollen mal angucken schadet nicht. Nach dem Auftanken ist wieder Hermann am Knüppel für den Rückflug. Wir wollen eigentlich noch über den Königsee/Watzmann und Berchtesgaden fliegen. Aber der vorherrschende Nordwest-Wind drückt von der Nordseite eine üble Wolken-Suppe gegen das „Steinerne Meer“ – diese Gebirgskette müssten wir zum Königsee überfliegen. Über dem Königssee geschlossene Wolkendecke – oje!Nachdem wir auf der Südseite dieser Bergkette auch noch recht deutliche Leewirkung/Abwinde vorfinden, kommen wir zu der Auffassung, dass das Motto „Watzmann sehen und sterben“ nicht so überzeugend klingt und drehen ab. Rückflug wieder über St. Johann, dann aber nach Norden raus aus den Alpen und zurück über den Chiemsee mit Fotosession über Herrenchiemsee, dem größten Schloß des Märchenkönigs Ludwig II.. Hier kann Hermann seine Qualitäten als Fotoflug-Pilot voll ausspielen. Der Rückflug erweist sich als reinster FLARM-Testflug. Wir sind gottfroh über das Teil, weil uns nämlich alle paar Minuten die Segelflieger „um die Ohren fliegen“. Ohne die Warnung durch das FLARM wäre uns der eine oder andere der - direkt unter den Wolken fast nicht zu erkennenden – Segelflieger-Kollegen nicht aufgefallen. Und bei der idealen Thermik-Lage haben sich offenbar alle Segelflieger Bayerns in die Flugzeuge gestürzt. Bei Füssen dann nochmal ein kurzer Foto-Schlenker über die Königsschlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein und schon sind wir wieder in Reutte gelandet. Diesmal mit verständlichem Funk – na also, geht doch. Wir zurren unsere Eurofox wieder mit den am Platz vorhandenen Beton-Klötzen fest und begeben uns erstmal in die Sauna. Als wir das erste Mal mit hoffnungsvollem Blick die Saunatür öffnen, fächeln uns milde 21 Grad entgegen. Das reicht uns halt nicht zum Schwitzen. Die Sauna wird dann im zweiten Anlauf und nach entsprechender Motivation durch Hermann doch noch extra für uns angeheizt.Dann wieder feudales Gelage zu sehr humanen Preisen und wir lassen uns angefüllt mit vielen tollen Eindrücken in die Kissen fallen. Am nächsten Morgen (Sonntag) Hammerwetter. Die Bewölkung des Vortages ist fast völlig weg, die Prognose sehr gut. Also schnell ein Frühstück reinziehen, nochmal kurz auf’s Klo und los geht es Richtung Zugspitze. Die Eurofox fliegt mit toller Steigleistung in völlig ruhiger Luft fast in einem Rutsch auf die Zugspitze. Nur ein kurzer Schlenker ist nötig und mit immer noch fast 2 m/s Steigen umkreisen wir in 10.500 ft den höchsten Berg Deutschlands. Am Tag zuvor ist hier ein UL gelandet; die dafür eigens präparierte Bahn (130 m lang) ist gut zu sehen. Wir schauen uns kurz an, ein prüfender Blick auf die Piste und – nein, wir landen nicht. Dann bei absoluter Ruhe, wie auf Omas Sofa ein traumhafter Flug über die Alpen in Richtung Bregenz. Da ich am Knüppel sitze, hat Hermann die Aufgabe des Chef-Fotografen übernommen. Mit beeindruckender Geschwindigkeit laufen da rund 100 Bilder auf die Speicherkarte. Es ist unbeschreiblich, wie sich die schneebedeckten Gebirgsketten bis zum Horizont aneinander reihen.Bei Bregenz links ab und Landung in Hohenems am Bodensee mit extrem kurzem Endanflug auf audrücklichen Wunsch des Flugleiters. Die Flugplatzgegner sind da offenbar richtig militant! Hier tanken wir wegen des relativ preiswerten Sprit-Preises die Tanks bis an den Stehkragen auf. Dann noch ab in’s Flugplatz-Restaurant und nochmal Apfelstrudel mit Schlagobers reingefuttert. Nebenher beobachten wir den sehr regen Flugverkehr und zig Fallschirmspringer, die hier eine echte Flugshow bieten. Vor der Mittagspause in Hohenems (ab 12:30) klettern wir zum letzten Mal für diesen Tag in unsere treue Maschine und gondeln am Bodensee entlang nach Hause. Nach den wirklich sehr freundlichen Flugleitern in Österreich holt uns Herr Egler am Mikro in Freiburg im gewohnten Kasernen-Ton blitzartig in die Realität zurück und die Entspannung fällt sofort von uns ab. Nein - Scherz beiseite! Wir lassen uns heute nix mehr vermiesen!
Weitere Bilder gibt es hier zu sehen.
|
| < Zurück | Weiter > |
|---|