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"Ich geh dann mal auf den Flugplatz" oder in dreieinhalb Stunden an die Côte d’Azur
Geschrieben von Martin Rabold & Martin Müller-Hermann   
Montag, 15. Juni 2009

Die Strecke...Freiburg- Côte d’Azur
Karte: Google-Earth

Bereits Wochen im voraus geplant, sind wir jetzt unterwegs. Das Wetter, seit einer Woche unter scharfer Beobachtung, soll heute eigentlich die Wirkung eines Azorenhochs zeigen. Die Wirklichkeit zeigt allerdings eine geschlossene Wolkendecke, unter der die Sicht aber gut ist und das Einhal­ten von 1000f über Grund ermöglicht. Wir befinden uns hinter Montebeliard nach­dem wir den Luftraum Basel kontrolliert durchflogen, soeben vom Kontroller ver­abschiedet werden. Zu wissen was auf Englisch gesagt wird ist das eine, zu ver­stehen was der Franzose auf Englisch sagt erfordert hin und wieder etwas Phantasie und Kombinationsgabe. Hat dieses mal aber gut funktioniert. Unser Flugplan endet in Pontalier und dort landen wir nach einer Stunde Flugzeit von Freiburg. Was für Deutschland kaum vorstellbar, ist in Frankreich ein gängiges Verfahren. Die Abkürzung A/A für den Flugplatz bedeutet, ...eine geschlossene Wolkendecke, unter der die Sicht aber gut ist... die Flug­zeuge in der Luft müssen sich gegensei­tig koordinieren. Dafür gibt es ein vorge­gebenes Anflugverfahren, die Meldungen werden auf Französisch, blind abgesetzt. Sehen und gesehen werden, hören und gehört werden, lieber Rücksicht als Rechthaberei – deshalb würde so was bei uns wahrscheinlich auch nicht funkti­onieren.

Der Flugplan wird telefonisch geschlos­sen, der Start erfolgt mit Rückenwind in Südrichtung weil uns das so direkt auf den Kurs bringt. Ab jetzt setzt auch die erwartete Wetterlage ein und bringt uns mit einer freundlichen Rückenwindkom­ponente auf einen Groundspeed von 220 km/h. Linker Hand zeigen sich die Alpen in schönster Panoramasicht, der Mont Blanc als grösster Klotz in dieser Kette sehr imponierend. Grenoble pas­sieren wir in ca 7000 ft und nehmen von dort Kurs durch das Drac Tal auf Gap.
Die Berge sind hier deutlich höher, wir fliegen unter den Hangkanten und kön­nen immer mal wieder erleben was Turbulenzen praktisch bedeuten.Der Flugplan wird telefonisch geschlos­sen Marseille sieht uns jetzt durch die Berge leider nicht mehr auf dem Radar und wir werden in regelmässigen Abstän­den angefunkt ohne eine Rückmeldung abgeben zu können. Das andere deutsche Flug­zeuge vom französischen Kontroller sogar auf deutsch angesprochen werden ist für franzö­sische Verhältnisse beachtlich. Der Wechsel auf die Frequenz Marseille Süd ist dann erfolg­reich, das Verlassen der Frequenz wird genehmigt und wir können auf Gap ATIS wechseln. Gap erreichen wir nach einer Gesamtflugzeit von 2,5 Stunden  über die Einflugpunkte E und E1. Das Englisch des Türmers ist perfekt und das uns beim Landen eine Pilatus Porter ent­gegenkommt sieht  etwas komisch aus gehört aber so. Wir setzen zeitgleich mit der Porter auf, die Porter allerdings auf der Grasbahn. Jetzt wird auch klar warum der Turm von uns noch mal die Bestätigung für die „main runway“ haben wollte. Die Berge sind hier deutlich höher...Die Mittagspause am Boden ist jetzt notwendig, denn gedanklich befinden wir uns noch im Flug.

Die nächste Etappe führt uns vorgegeben durch die Ausflugpunkte S1 und S durch das Du­rance Tal vorbei an Sisteron, über die Hochebene von Va­lensole nach Frejus ans Mit­telmeer. Beeindruckend ist der schnelle Wechsel der Topographie und Bebauung, den man in dieser Weise nur aus der Luft wahrnimmt. Nach dem Fotoshooting über dem Meer fliegen wir über Fayance zurück ins Gebirge, wobei die vorhandene Se­gelflugerfahrung zum Hö­hengewinn ausgenutzt wird. Über bizarre Bergformationen bewegen wir uns zum Altiport Clamensane, für den wir im Vorfeld eine Landeerlaubnis eingeholt haben. Nach mehreren Flugplatzchecks in Form von tiefen Anflügen, wird allerdings die Entscheidung getroffen nicht zu landen. Fotoshooting über dem MeerDie Turbulenzen und Leewirkungen im Endanflug sind unkalkulierbar, ein Abdrehen oder Durchstarten schwer möglich oder zu risiko­reich. (Auch Rückblickend die richtige Entscheidung)  Damit greift der Plan B, zurück nach GAP. Das Flugzeug wird ver­sorgt und wir checken im Ho­tel am Platz ein. Den Abend beenden wir in einem netten Restaurant in Tallard mit dem Menue Regionale und einer Flasche Rotwein. Gedanklich sind wir allerdings immer noch in der Luft.

Der nächste Tag zeigt einen strahlend blauen Himmel. Der Plan für heute, eine Runde durch das Gebirge und dann nach Grenoble. Nach dem obligatorischen Flugzeugcheck, wird der Flugplan aufgegeben. Kurze Zeit später „line up and depature“, Steigflug nach Ost, Richtung Ubay Tal, hier nach guter Segelfliegermanier an den Hängen entlang, vorbei an Barcellonette, Col de la Bonette über den Col de Vars wieder in Richtung Durance Tal. Altiport ClamensaneMitt­lerweile liegt unsere Flughöhe zwischen 9000 – 10000 ft und wir müssen feststellen, dass eine geschlossene Wolkendecke über dem Drac Tal den Weg versperrt. Das Überfliegen ist in die­sem Fall nicht zulässig. Wie weit die Wolken den Talgrund freilassen ist aus dieser Höhe nicht zu beurteilen. Wir sinken unter die Wolken und stellen glücklicherweise fest, dass die Höhe der Wolkenbasis über der Talmitte ein legales weiterfliegen ermöglichen. Noch wissen wir nicht, ob durch einen Nordstau oder Inversionsbedingt der Talausflug nach Grenoble möglich ist. Mit der Option der sicheren Umkehr, folgen wir dem Tal, entlang der N85 Richtung Gre­noble. Der Versuch hat sich gelohnt, der Talausflug nach Grenoble ist problemlos und wir landen in Versoud. Da wir ordentlichen Gegenwind erwarten, tanken wir noch einmal nach und verweilen für ein Vesper in der Flugplatzkneipe. Der Start erfolgt gegen 14 Uhr, der Flugplan wird geöffnet und wir folgen dem Tal Richtung Albertville.hier nach guter Segelfliegermanier an den Hängen entlang Kurz vor Albertville öffnet sich ein Loch in der Wolkendecke und wir steigen über die Wolken. Die Belohnung ist eine giganti­sche Sicht auf die Alpen. Schweren Her­zens sinken wir durch das Wolkenloch wieder ins Tal und navigieren uns weiter der geplanten Route. Nach überfliegen, umfliegen verschiedener eingeschränkter Lufträume, begeben wir uns wieder auf die Jurastrecke. Der Luftraum Basel wird wieder kontrolliert durchflogen, der Grenzübertritt erfolgt auf die Minute ent­sprechend der Flugplanangabe (obwohl 6 Stunden vorher aufgegeben). Die Anmeldung zur Landung in Freiburg wie gewohnt, nur mit dem Unterschied, das statt Bremgarten mal Gre­noble genannt wird.
Zusammenfassend ein Flug, der durch eine sehr gute Teamarbeit geprägt war, zu jeder Zeit einen hohen Sicherheitsstandard hatte und uns für die zwei Tage in eine Situation fern vom Alltag gebracht hat.

eine geschlossene Wolkendecke über dem Drac Tal versperrt den Weg... Kategorie „Flüge die man nicht vergisst“ – „Wiederholung sinnvoll“
Gute Vorbereitung, die sich gelohnt hat.
Für Nachahmer:
Flugerfahrung im Gebirge muss vorhanden sein.
Entscheidungslimits defensiv setzen. (Wird schon gut gehen beinhaltet besonders im Ge­birge ein potenziertes Risiko)
Sinnvoll - Laptop mitnehmen – WLAN ist in Frankreich weit verbreitet, Option - Flugplanauf­gabe über OLIVA und bessere Wetterinformationen.
-Alternative über das Rhonetal im Vorfeld planen, falls der Rückweg über die Berge gestört ist.
Landungen auf einem Altiport früh oder spät planen (incl. einer Alternative für nichtgelingen).
 

Image
Martin & Martin
Die Belohnung ist eine giganti­sche Sicht auf die Alpen

 
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