| Crashkurs für Piloten – ein voller Erfolg |
| Geschrieben von Steve Przybilla, mit freundlicher Genehmigung der Badischen Zeitung | |
| Dienstag, 11. August 2009 | |
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Einfach so ans Steuer sitzen und losfliegen, ohne monatelanges Büffeln,
ohne teure Praxisstunden und ohne strengen Fluglehrer – wer würde sich
davon nicht verlocken lassen? Was bisher nur in Flugsimulatoren
funktionierte, konnten zwanzig Studierende und Uni-Mitarbeiter nun in
echt auf dem Freiburger Flugplatz erleben. Der sofort ausgebuchte Kurs
"Pilot für einen Tag", ein neues Angebot im Rahmen des "Studium
Generale" der Uni, machte es möglich.
Man kennt die Situation aus Action-Filmen: Hoch über den Wolken verliert der Pilot das Bewusstsein und plötzlich muss ein Passagier das Steuer übernehmen, angeleitet vom Tower am Boden. Wäre das überhaupt möglich? "Für die Landung bräuchte man schon etwas Glück", sagt Klaus Halberstadt von der Luftsportgemeinschaft Breisgau (LSG), der den Uni-Crashkurs betreut hat. Nach einer kurzen Einführung in die Themen Steuerung, Funkverkehr, Thermik und Wetter durften die "Piloten für einen Tag" gleich selbst in die Luft – allerdings in Begleitung eines erfahrenen Fluglehrers. Zwei Ultraleichtflugzeuge der neuesten Generation standen zum Üben bereit. "Die tanken Super bleifrei und haben für alle Fälle einen Fallschirm an Bord, der im Notfall die ganze Maschine hält", so Halberstadt.
75 Euro kostete der eintägige Spaß die Studierenden, Uni-Mitarbeiter
zahlten 95 Euro. "Bei kommerziellen Anbietern kostet’s wesentlich
mehr", sagt Medizin-Student Jan Blumhardt. Darum habe er sich gleich
angemeldet, als er per Zufall von dem Kurs erfuhr. "Damals wusste ich
nicht, dass es sogar eine Warteliste gab, weil der Andrang so groß
war", so der 23-Jährige.
Fliegerische Vorerfahrung: Flugsimulator-Spiele am PC
Jan Blumhardt kannte das Fliegen zuvor nur von einschlägigen
Computerspielen, was ihm in der Praxis aber wenig nützt. "Ich sollte
auf den Schauinsland zusteuern, bin aber immer zum Feldberg
abgedriftet", beschreibt er seine ersten echten Flugerfahrungen.
Das wirkliche Fliegen hat’s in sich: Nach einem rasanten Start steigt die Maschine mit 160 Stundenkilometern in den Himmel, wo es trotz schönsten Wetters kräftig schaukelt. "Das liegt daran, dass sich die Luft durch die Sonneneinstrahlung erhitzt und dadurch in Bewegung kommt", erklärt der Fluglehrer, während das Münster unter dem Flieger vorbeizieht. Nach nur wenigen Minuten zeichnet sich der glitzernde Rhein ab, an dessen anderem Ufer das französische Atomkraftwerk Fessenheim liegt. Wäre sie in Deutschland, dürfte man sich der Anlage gar nicht nähern. Da sie sich aber in einem anderen Land befindet, kann das Ultraleichtflugzeug relativ dicht ran gehen. Kurs-Teilnehmerin Judith Wagner (30) war der Steigflug am Anfang etwas suspekt. "Als ich dann aber wusste, dass ein Fallschirm an Bord ist, hatte ich überhaupt keine Sorgen mehr", sagt die Uni-Mitarbeiterin. Wegen des strahlenden Sonnenscheins sei der Flug äußerst genussvoll gewesen. Nach dem großen Ansturm auf den Kurs über das Internet – er war binnen Stunden ausgebucht – plant die Universität nun, Fliegen mit dem Ultraleichtflugzeug in Zukunft zum festen Bestandteil des "Studium Generale" zu machen. Im nächsten Sommersemester soll der Kurs ein zweites Mal stattfinden, außerdem soll es einen kurs "Segelflugpilot für einen Tag" geben. Bis dahin werden sich die Freunde der Fliegerei wohl gedulden müssen – oder schon mal Probestunden bei der LSG Breisgau nehmen. Der Mitgliedsbeitrag kostet 50 Euro pro Monat, jede Flugstunde 40 Euro. Weil alle Mitglieder sich ehrenamtlich engagieren, übernimmt die LSG Breisgau auch die Wartungsarbeiten in Eigenregie. "Für einen Flugschein im Ultraleichtflugzeug muss man mit rund 3000 Euro rechnen", sagt Vereinsflieger Klaus Halberstadt. |
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