| Erfahrungsbericht Segelflugschule Oerlinghausen |
| Geschrieben von Andreas Wituschek. Bearbeitung Thomas Franke | |||
| Montag, 19. September 2011 | |||
Nach einer aufreibenden Fahrt (Klimaanlagen sind stets wohltemperiert und äußerst zuverlässig), kam ich endlich in Bielefeld an, wo ich gleich mein Zimmer bezog. Es wäre zwar auch möglich gewesen direkt am Flugplatz in Oerlinghausen, in recht schönen und modernen Pavillons zu wohnen, allerdings war mir das zu teuer. Wenn man aber genug Geld gespart hat, ist das sicher die angenehmste Variante, denn die Wohnpavillons liegen quasi direkt an der Piste und am Briefingraum.
Insgesamt
ist der Betrieb auf dem Flugplatz für einen Anfänger (und für
manchen Scheinpiloten auch) überwältigend. Bestimmt 10 Vereine
haben ihren Sitz am Flugplatz, von Motorflug über UL und
Hubschrauber bis zu den Seglern, war alles vorhanden. So kommt es
vor, dass Sonntags mal bis zu 4 Winden gleichzeitig in Betrieb sind.
An unserer Winde standen zeitweise ca. 40 Segelflugzeuge an und
warteten auf den Start. An guten Tagen wurden allein von der
Segelflugschule 160 Starts verbucht. Da
konnte es schon mal spannend werden, wenn 4 Segelflugzeuge
gleichzeitig zur Landung ansetzten, weil es nicht mehr aufwärts
ging. Zum Glück hat man anfangs noch den Fluglehrer an Bord, weil
über eine Reihe von Flugzeugen drüber und zwischen zwei, die noch
auf der Piste stehen hindurch zu landen, war anfangs gar nicht so
einfach. Umso wichtiger ist der Landecheck an der Position. Aber auch
sonst ist die Landebahn einfach riesig, so dass man genug Reserve
nach hinten hat.
Weiter ging es dann in den nächsten Tagen mit den obligatorischen Seilrissübungen, mit denen mich mein Fluglehrer schon recht früh konfrontierte. Aber auch das war dank nachdrücken, nachklinken und nachdenken schnell beherrschbar. Außerdem machten wir schon erste Thermikflüge, wo ich ein wenig kreisen durfte und wir versucht haben zu Trudeln, was mit der ASK 21 ohne Ballast im Heck gar nicht so einfach ist. Trotzdem hat es Spaß gemacht!
Vor
allem bei den längeren Flügen konnte man die Koordination der Ruder
erst richtig erlernen, da so eine Platzrunde doch immer recht kurz
ist. An sich war die Mischung zwischen Platzrunden und längeren
Flügen sehr gut.
Am
siebten Tag war es dann soweit, mein Fluglehrer reichte mich weiter
an einen anderen Fluglehrer, der den Checkflug mit mir durchführte.
Und ehe ich mich versah, saß ich allein in der ASK und die Winde zog
das Seil straff. Der erste Alleinflug war schon ein krasses Gefühl,
aber das weiß jeder Pilot ja selbst am besten.
Abends
gab es dann die übliche Zeremonie mit Bier und ein paar mehr oder
weniger sanften Klapsen aufs Hinterteil.
Die nächsten Tage habe ich dann wegen starkem Seitenwind teilweise mit Fluglehrer, teilweise allein geflogen, je nach Wetterlage. Das Highlight war sicher mein erster Alleinflug in der Thermik. Nach 40 Minuten wurde ich vom Start aus angefunkt, ich solle langsam mal runter kommen, es gäbe jetzt Mittagessen. Hat schon weh getan in 900 Metern bei besten Bedingungen die Klappen zu ziehen, aber was soll man machen. War einfach super cool mal allein Kreisen zu dürfen, auch wenn ich viel Respekt davor hatte, als Anfänger mit vier oder mehr Flugzeugen in einem Bart zu kreisen. Die
letzten zwei Tage bin ich dann noch auf der ASK 23 geflogen. Das war
ein krasser Unterschied zum trägen Doppelsitzer, einfach klasse!
Insgesamt war es mit Sicherheit die beste Entscheidung nach Oerlinghausen zu gehen. Dort geht alles super schnell und kompakt, man lernt einfach schnell das Fliegen. Die Flugschule ist professionell und gut ausgestattet, sowohl mit Räumlichkeiten als auch mit Flugzeugen. Ich glaube es waren fünf ASK 21, drei ASK 23, zwei LS4 und ein Banjo. Auch die Fluglehrer waren alle schwer in Ordnung und man konnte bei Fragen immer auf jeden Fluglehrer zugehen oder sich einen Flugauftrag einholen. Einfach gut organisiert. Ich empfehle jedem, der 900 Euro und 2 Wochen Zeit übrig hat das zu machen, so verkürzt sich einfach die gesamte Ausbildung.
|
|||
| Weiter > |
|---|