Segelfliegen - der lautlose und umweltfreundliche Sport unter den Wolken.
Einmal in der Luft, befindet sich der Segelflieger im ständigen Spiel mit den Aufwinden, ob bei Sommerwetter in der Thermik unter Wattewolken, in den Bergen mit Hangaufwinden oder in der sogenannten Welle bis in größte Höhen.
Lediglich die Nutzung dieser Aufwinde bringt den Segelflieger an guten Tagen über Strecken von mehreren hundert Kilometern - ganz ohne Motor.
Der Flugplatz Freiburg stellt für den Segelflieger einen sehr guten Ausgangspunkt für Flugerlebnisse dar. So sind Flüge nach jenseits des Schwarzwaldes oder in die Alpen keine Seltenheit.
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Wie funktioniert Segelfliegen?
Die beiden heute üblichen Möglichkeiten mit einem Segelflugzeug in die Luft zu kommen sind:
Windenstart:
Wenn man in Deutschland günstig mit einem Segelflugzeug in die Luft kommen will, wählt man zumeist den Windenstart. Das funktioniert so ähnlich wie ein Lenkdrachenstart, nur wird das Seil in diesem Fall von einer stationären, kräftigen Motorwinde gezogen. Damit können Beschleunigungen erreicht werden, von denen die Formel 1 nur träumt. Unsere Winde hat 250 PS, die fast verlustfrei auf Flugzeuge bis 750 Kg Fluggewicht wirken kann. So erreicht man auf einem 1000 Meter langen Platz je nach Wind Ausklinkhöhen zwischen 350 und 500 Metern in rund 30 Sekunden. Dabei wird das Flugzeug in weniger als drei Sekunden von null auf hundert Stundenkilometer beschleunigt. Auf anderen Plätzen werden bei Windenstarts sogar noch weit größere Ausklinkhöhen erreicht.
Flugzeugschleppstart:
Die komfortablere, wenn auch teuere Methode ist der Flugzeugschlepp. Dazu wird ein langsames, aber kräftiges Motorflugzeug mit einem rund 50 Meter langen Seil vor das Segelflugzeug gespannt. Mit Geschwindigkeiten zwischen 80 und 120 km/h wird das Segelflugzeug dann beliebig weit und beliebig hoch geschleppt, bis der Segelflugpilot das Seil ausklinkt. So kann man sich direkt in die besten Aufwinde oder auch von einem fremden Platz nach Hause schleppen lassen.
Ist der Flieger nun in der Luft, ist es die Kunst auch möglichst lange oben zu bleiben. Dabei stehen ihm v.a. drei Arten von aufsteigenden Luftströmungen zur Verfügung: Hangwind, Thermik und Welle:
Hangwind:
Der Hangwind wurde 1920 als erste der für den Segelflug nutzbaren Wettererscheinungen entdeckt und ist auch am leichtesten zu verstehen. Ein gleichmäßiger Wind trifft auf seinem Weg einen quer liegenden Höhenzug. Wenn dieser wesentlich breiter als hoch ist, dann kann der Wind nicht rechts oder links daran vorbeifließen, sondern muss zwangsläufig darüber hinwegströmen. Dadurch findet man kurz vor dem Hang ein schmales Gebiet aufsteigender Luft. Wenn man vor dem Hang der Kontur folgend hin und her fliegt, kann man sich in der Luft halten und mit etwas Geschick sogar an Höhe gewinnen. Je nach Windgeschwindigkeit kann ein Hang-Aufwind bis etwa zur fünffachen Hanghöhe wirksam sein.
Während des Hangfluges muss ein Segelflieger allerdings aufpassen, dass er nicht in die vom Wind abgeneigte Seite - das Lee - gerät, denn der Wind folgt auch hinter dem Berg der Kontur seiner Oberfläche. Das hat zur Folge, dass es dort starke Abwinde gibt, die einen Segelflieger sehr schnell zur Landung zwingen können.
Thermik:
Thermik wird durch Temperaturunterschiede der Luft hervorgerufen. Diese entstehen eher an kühlen Tagen mit starker Sonneneinstrahlung, also im Frühling und Frühsommer, oder über großen Industrieanlagen mit starker Abwärme. Wärmere und damit leichtere Luftmassen steigen auf und können ein in dieser Thermik kreisendes Segelflugzeug mit sich emportragen. Je nach Wetterlage kann ein thermischer Aufwind über Deutschland Höhen von 500 bis 3000 Meter bringen. In anderen Gegenden, wie über der australischen oder namibischen Steppe, können auf diese Weise durchaus Höhen von 5000 Meter und mehr erflogen werden. Wenn die Thermik nicht vorzeitig von einer Schicht wärmerer Luft in der Höhe begrenzt wird, entstehen Kumuluswolken am oberen Ende der Aufwinde. Diese sind für den Segelflieger ein untrügliches Zeichen für die Thermik, die er sucht. An manchen Tagen steigen die Aufwinde nicht hoch genug, um Wolken zu bilden, da sie durch eine Inversionsschicht vorzeitig gestoppt werden. Segelflieger sprechen dann von Blauthermik. Da es dann am Himmel keine Anhaltspunkte mehr gibt, muss sich der Pilot an der Bodenbeschaffenheit orientieren, wenn er die Aufwinde finden will. Manchmal helfen auch Vögel weiter, die ebenfalls die Aufwinde für ihren Aufstieg in der Luft nutzen. Sie haben stets das beste Gespür die momentanen Thermikvorkommen.
Welle:
Eine Leewelle entsteht so ähnlich, wie der Ton in einer Blockflöte. Wenn Luft gleichmäßig und mit der richtigen Geschwindigkeit über ein Hindernis strömt, kann sich dahinter eine Schwingung aufbauen. Da die Luft dabei weiterströmt, erscheint diese Auf- und Abschwingung wie eine Welle. Man fliegt dann in den aufsteigenden Bereichen gegen den Wind, sodass man praktisch auf der Stelle stehend ganz ruhig emporgetragen wird. Wenn die richtigen Wetterverhältnisse über dem richtigen Gelände herrschen, werden Flüge bis in über zehntausend Meter Höhe möglich, wo der Horizont schon die Erdkrümmung zeigt. Für solche Höhenflüge braucht man allerdings eine Atemmaske für Sauerstoff und eine sehr gute Kälteschutzbekleidung. Über dem Schwarzwald wurden von den Piloten der LSG Breisgau bereits Höhen bis 5000m erreicht.
Piloteninformationen zum Wellensegelfliegen in Freiburg finden Sie hier :
Wenn keine Thermik mehr da ist...
... muss sich der Pilot rechtzeitig zur Landung entscheiden. Im günstigsten Fall hat er sich schon in die Nähe des Heimatflugplatz bewegt. War dies nicht der Fall, kann er sich z.B. über die Flugkarte oder GPS nach einem geeigneten Fluggelände in Reichweite umschauen. Steht ein solches jedoch auch nicht zur Verfügung, muss er sich ein passendes Feld oder eine Wiese suchen. Möglichst kurz gemäht, eben, frei von Hindernissen und in Windrichtung. Oft lässt sich die Beschaffenheit des Bodens aus der Luft nicht gut einschätzen und die so genannten „Außenlandung“ stellt sich als sehr spannend dar. Man hat keine bekannten Orientierungspunkte im Anflug und muss sich auf sein Augenmaß verlassen.
Luftlöcher
Manchmal hört man von Passagieren großer Verkehrsflugzeuge, sie seien während des Fluges in ein "Luftloch" geraten. In der Realität gibt es so etwas nicht. Dazu wäre nämlich ein Vakuum nötig, wie es nur im Weltraum vorkommt. Trotzdem sind diese Leute keine Spinner, denn sie haben wirklich etwas erlebt, das sie fälschlicherweise für ein Luftloch gehalten haben.
Wenn es an manchen Stellen starke Aufwinde gibt, dann muss es an anderen Stellen genauso starke Abwinde geben, damit der Luftdruck wieder ausgeglichen werden kann. Durchfliegt ein Segelflugzeug einen solchen Abwind, spürt der Pilot das kaum, denn das Segelflugzeug ist sehr leicht und relativ langsam. Ein großes Verkehrsflugzeug ist dagegen sehr träge und fliegt außerdem mit einer hohen Geschwindigkeit. Durchfliegt es einen solchen Abwind, dann sackt es dabei ganz plötzlich mehrere Meter ab. Vergleichbar ist das mit einem Schlagloch auf einer Straße. Die Piloten von Verkehrsflugzeugen können die meisten Abwinde schon vor dem Durchflug erkennen oder zumindest erahnen, um sie dann rechtzeitig zu umfliegen. Außerdem kommen in den Höhen, in denen Verkehrsflugzeuge fliegen, nur sehr selten starke Auf- und Abwinde vor. Trifft ein Verkehrsflugzeug trotzdem einmal auf einen solchen Abwind, dann muss dennoch niemand in Panik ausbrechen. Nach einigen Metern, die das Flugzeug durchsackt, fliegt es ganz normal weiter.
Mehr Informationen zum Segelflug auf Wikipedia ; zur Ausbildung zum Segelflugzeugführer gibt es hier mehr.